„[…]Kleider macht der Schneider, und ausgebeutete Kinder.“

Danger Dan – Ölsardinenindustrie

Scroll runter bis „tl;dr“ falls Du heute ein bisschen ungeduldig bist!

Das ist Alles nicht so einfach mit dem guten Gewissen, wenn man online Klamotten verkauft.

Du kannst mit sauberem Strom arbeiten, CO2-neutral versenden, kein Plastik verwenden und Deine Designs mit wasserbasierten Farben drucken, aber eine großes Thema schwebt über Allem:

Wo kommen eigentlich die unbedruckten Klamotten her, und wie werden sie dort produziert, wo sie herkommen?

In knapp zwanzig Jahren Erfahrung im Textilhandel haben sich folgende, zwar schon nicht komplett asoziale, dennoch allseits unbefriedigende Optionen für die Beschaffung von Rohtextilien herauskristallisiert:

  1. Du kaufst ein Shirt aus Baumwolle mit einer Zertifizierung oder einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Herstellers, die sicherstellen soll, dass die Arbeitsbedingungen unter denen das Shirt entstanden ist cool sind, und das Endprodukt nicht giftig ist. Wenn es gut läuft überprüft ab und an eine unabhängige Organisation stichprobenartig die Regeln. Ein Blick in jede Tageszeitung zu jeder Zeit zeigt relativ deutlich, wie oft sowas in Deutschland schief geht – wie sieht das dann wohl erst in Bangladesh, Marokko oder anderen, typischen Textilproduktions-Staaten aus? Der Einkaufspreis solcher Textilien lässt eigentlich ziemlich offensichtlich daran zweifeln, dass im Rahmen der Wertschöpfungskette (auch so ein Wort…) wirklich genug Geld für alle über ist.
  2. Du kaufst ein Shirt aus Bio-Baumwolle mit einer Zertifizierung oder einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Herstellers, die sicherstellen soll, dass neben den guten Arbeitsbedingungen die verwendeten Rohstoffe keinen Fluss vergiftet haben, oder Regenwald dafür gerodet wurde. Bio-Siegeln ist in der Regel schon zu vertrauen, das ist die gute Sache. Die Schlechte: Die Hersteller haben so viel Angst vor uns und Dir als Endkunden, bzw. vor unserem gemeinsamen Geiz, dass diese Shirts aus hauchdünnem Material gefertigt werden, so dass der normalerweise fällige höhere Kaufpreis durch den geringeren Materialeinsatz fast wieder ausgeglichen wird. Zwei Probleme dabei: Man sieht Deine Nippel (kein Ding wenn das Dein Ding ist, aber Hey, die Meisten sind da weniger offen…), und noch geringfügig schlimmer ist, dass die Dinger sich quasi nicht bedrucken lassen, weil zu wenig Stoff da ist, auf dem Druckfarbe vernünftig halten kann. Der Gedanke der Rohtextilhersteller dabei: Wir als Online-Shop würden ja einfach nur mit dem Bio-Schlagwort Werbung machen wollen, und auf keinen Fall mehr Geld ausgeben. Selbst wenn wir (und ihr) mit den Taschen voller Geld vor der Tür steht, ist hier Endstation.
  3. Du kaufst ein Shirt aus zertifizierter Bio-Baumwolle mit zahlreichen, absolut glaubhaften und transparenten Zertifizierungen. Genau genommen so vielen Zertifizierungen, dass der Hersteller (japp, es gibt unter Dutzenden Herstellern aktuell Einen, der diese Kriterien erfüllt) eine extra große Pappkarte an jedes verdammte Textil hängt, damit bloß alle Siegel aufgeführt werden können. Und es kommt noch bunter: Das T-Shirt ist aus angenehm dickem Material, und so richtig schön teuer, damit Du auch spürst, wieso wir Dir 25 Euro für das Ding abgenommen haben!. Geil, oder? Wäre es wirklich, wenn leider Gottes der Druck auf den Klamotten nicht so stumpf aussehen würde. Der Druck ist natürlich absolut oooookayyyyyy, aber wenn Du weisst, was unsere Druckmaschinen eigentlich können, dann bricht es Dir das Herz.

Insgesamt eine verfahrene Situation. Was also tun? Wir können ja schlecht unsere eigenen Klamotten nähen, ne? Hold my beer.

tl;dr:

Wir nähen jetzt unsere eigenen Klamotten.

Zusammen mit guten Freunden in Rumänien haben wir Teile der Maschinen und der Belegschaft einer insolventen Textilwarenfabrik übernommen, und ziehen das jetzt durch. Um den Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich zu erhöhen, haben wir mit den Vorbereitungen einfach mal letztes Jahr im Sommer angefangen, weil das Projekt ohne eine globale Pandemie definitiv viel zu einfach und günstig gewesen wäre.

Aktuell entstehen in den Räumen einer ehemaligen Diskothek (Ey, ich schreib hier „Diskothek“, Du guckst Dir das „Vorher…“-Bild an und denkst Dir Deinen Teil, okay?) in Sibiu/Hermannstadt die ersten Unisex Mustershirts. Bonuspunkte wer errät, in welcher nerdkompatiblen Farbe diese erstrahlen werden.

Vorher...

Vorher…

Nachher

…Nachher.

Nochmal die Vorteile: Bei dem T-Shirt das Du dann bei uns kaufst, haben wir zukünftig jeden einzelnen Produktionsschritt und die Arbeitsbedingungen unter Kontrolle. Wir können den Mitarbeiter:innen der Textilmanufaktur Hermannstadt (geiler Name oder geiler Name? „Manufaktur“, wie bei feine Leute…) zum Beispiel jeden Tag eine Flasche Bier spendieren, was sie faktisch zu Wagyu-Schneidern macht, oder es gibt halt anständig Geld und casual Fridays.

Im Ernst: Wir gemeinsam leisten uns damit ein gutes Gewissen bei Produktion und Shopping. Nicht mehr und nicht weniger. Aber Zeit wird das.

Bei einem Shirt soll es natürlich nicht enden. Ebensowenig bei einem Hoodie. So können wir unseren Partnern mittelfristig eigene Kollektionen schneidern, sowie nerdige Hemden, Röcke und Schlafanzüge produzieren, Dir Übergrößen auf Bestellung anbieten und noch so einigen Schabernack mehr.

All diese Unternehmungen haben allerdings eine Sache gemeinsam:

Ohne dass Du bereit bist, uns auf der Reise zu begleiten, und uns am Ende auch ein bisschen von der investierten Kohle in Form eines ordentlichen (und ich meine so richtig, richtig, richtig, riiiiichtiiiig ordentlichen…) Verkaufspreises für ein bedrucktes Shirt wiederzugeben, wird die ganze Operation ein eher unrühmliches Ende für uns nehmen.

Für ein bisschen von Deinem Netto und so viel Werbung wie Du ohne rot zu werden für uns machen kannst (gelogen, es ist uns egal, wie rot Du wirst), bekommst Du unser ganzes Herzblut und geile Geekshirts ohne Kinderarbeit oder sonstige Schweinereien. Cool? Dein Feedback wäre uns tatsächlich wichtig – wir freuen uns drauf!